Betriebsgruppen

Echte Mitbestimmung geht anders!

Echte Mitbestimmung geht anders!

Im Januar 2016 wurde ein Betriebsrat bei Goodgame Studios von der Mehrheit der Belegschaft als nicht notwendig angesehen. Im Frühjahr 2016 wurde stattdessen von dem Unternehmen eine angeblich moderne und innovative Alternative in Form eines sogenannten "Agreement on Goodgame Employee Committee" eingeführt.  Es schien, dass es zukünftig im Unternehmen doch Mitbestimmungsrechte der Beschäftigten geben würde. Aber nicht mal 100 Tage später kommt die Ernüchterung.

Scheinbar war die Stimmungsmache gegen einen echten Betriebsrat vom Unternehmen zum Jahreswechsel bewusst kalkuliert. Am 18. August platzte nämlich die Seifenblase des „Emloyee Committee“. Die Geschäftsführung erläuterte in einer Versammlung anstehenden Veränderungsmaßnahmen im Unternehmen - eine dreistellige Zahl an Beschäftigten müsste gehen. Nach unserem Kenntnisstand wurde eine Art Sozialplan durch den Arbeitgeber festgelegt und Regelungen mit der Agentur für Arbeit getroffen. Ein einklagbarer Sozialplan in entsprechender Höhe und ein Interessenausgleich für die Betroffenen, so wie vom Gesetz vorgesehen? Fehl am Platze ohne richtigen Betriebsrat!

Statt dessen bekamen im Anschluss an die Veranstaltung mehrere hundert "glückliche Beschäftigte" eine E-Mail;  sie seien die Leistungsträger_innen und nähmen eine Schlüsselposition im Unternehmen ein. Deshalb könnte auf diese Leute nicht verzichtet werden. Die restlichen Beschäftigten (zwischen 300 und 600) erhielten Angebote für Aufhebungsverträge und gleichzeitig die Ankündigung, falls nicht genügend freiwillig gingen, eine Kündigung zu erhalten. Vom darauf folgenden Donnerstagabend bis zum nächsten Dienstagabend wurde Zeit gegeben zu erklären, ob das Angebot eines Aufhebungsvertrages angenommen wird. Danach würde der Arbeitgeber erklären, wem gekündigt wird.

Am 23. August verteilte ver.di Informationen vor dem Unternehmen und bot Hilfe für die Beschäftigten an. Es wurde u.a. auf die Gefahren von Aufhebungsverträgen hingewiesen. Außerdem wurde verdeutlicht, dass auch jetzt noch die Gründung eines Betriebsrates möglich und sinnvoll ist. Während der Aktion haben viele der GoodGamer den Infoflyer für sich und ihre Kolleginnen und Kollegen mitgenommen und das Gespräch gesucht. Die Stimmung war gemischt, auch Verunsicherung war zu spüren.

An den traurigen Ereignissen für die GoodGamers zeigt sich für alle Beschäftige in der Computerspiele-Branche, wie wichtig ein richtiger Betriebsrat und die Gewerkschaft sind. Etliche Fragen, die jetzt noch für viele der Betroffenen offen sind, hätten durch die verschiedenen Möglichkeiten eines Betriebsrates geklärt werden können.  Die Modalitäten der  Kündigungen, insbesondere um Nachteile für die Betroffenen zu verringern, hätten durch einen Betriebsrat verhandelt werden können. Das wäre ein Sozialplan der diesen Namen auch verdient.

Auch wenn die Eigentümer von Goodgame Studios mit diesem Manöver scheinbar wieder durchkommen, das Spiel ist aus unserer Sicht noch nicht zu Ende. ver.di steht nach wie vor zur Verfügung, um die Wahl eines Betriebsrates nach dem Betriebsverfassungsgesetz in dem Unternehmen zu begleiten. Nur so geht echte Mitbestimmung!

Gaby Weinrich-Borg und Bente Brandt

Info-Aktion bei Good Game - Bente Brandt vor Ort ver.di Info-Aktion bei Good Game - Bente Brandt vor Ort
Info-Aktion bei Good Game - Gaby Weinrich-Borg vor Ort ver.di Info-Aktion bei Good Game - Gaby Weinrich-Borg vor Ort